Hermann Joseph Schmetz wurde am 31. Mai 1907 in Hergenrath als Sohn von Caspar Joseph Schmetz und Hubertina Maria Radermacher geboren. Zusammen mit seinen sechs Geschwistern wuchs er an der deutsch-belgischen Grenze auf. In seinem 17. Lebensjahr starb seine Mutter, woraufhin seine ältere Schwester, Barbara Maria Schmetz, die Führung des gesamten Haushalts übernahm. Hermann Schmetz besuchte nach seinem Abschluss an der Volksschule eine Gewerbeschule in Aachen. Der gelernte technische Zeichner arbeitete in verschiedenen Berufszweigen, unter anderem in der Patentkanzlei seiner Brüder Leo und Josef Schmetz. Zeitweise war Schmetz auch als Vertreter für verschiedene Haushaltsgeräte oder Pharmaprodukte, als Agent einer Bank, als Reifenprüfer sowie in der Schlosserwerkstatt seines Vaters tätig. Bis zu seiner Verhaftung lebte der Junggeselle mit seiner Schwester Johanna Maria zusammen.

Schon vor Kriegsbeginn geriet Hermann Schmetz im Deutschen Reich mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt. 1935 wurde er erstmals wegen Unterschlagung, Urkundenfälschung und Betrug zu einer viermonatigen Gefängnisstrafe verurteilt und am 3. Dezember 1935 des Landes verwiesen. Am 22. Januar 1936 wurde er dabei erwischt, wie er sich unbefugt im Reichsgebiet aufhielt, was einen zweiwöchigen Gefängnisaufenthalt zur Folge hatte. Dieser schien nicht allzu großen Eindruck auf ihn gemacht zu haben zu haben, denn er nahm weiterhin Stellen in Aachen an und wurde mehrere Male aufgefordert, das Reichsgebiet zu verlassen. 1937 wurde er dann in Lüttich wegen Unterschlagung zu einer Gefängnisstrafe von 23 Monaten verurteilt.

Nach seiner Entlassung im Mai 1939 kehrte Hermann Schmetz nach Hergenrath zurück. Dort lernte er einen gewissen Lutz Cardué (der als Nachrichtendienstagent verschiedene Vor- bzw. Decknamen trug) näher kennen, der laut Anklageschrift des Volksgerichtshofes als außerordentlich „deutschfeindlich“ galt und sich aufgrund seiner angeblichen Tätigkeit in einer „separatistischen“ Bewegung nicht mehr nach Deutschland begeben durfte. Nach einer Unterhaltung über „Judenschmuggel“ erzählte Schmetz ihm von einem Hilfskellner des Kaffeehauses „Vaterland“ in Aachen, den er dort am 22. Juli kennengelernt hatte. Daraufhin frequentierten die beiden häufiger gemeinsam verschiedene Wirtschaften, und der Hilfskellner Kurt Grewen berichtete ihm, dass er auf der Suche nach einer Stelle sei, bei der er schnell viel Geld verdienen könne. Cardué wies Schmetz an, Grewen einen Posten als Informant anzubieten, den dieser direkt annahm. Finanziert wurde die Unternehmung durch von Cardué bereitgestellte Gelder.

Grewens Aufgabe beinhaltete, Informationen über die Mobilmachung der Wehrmacht im Gebiet seiner Heimatstadt Düren zu beschaffen. Insbesondere verlangte Cardué Auskünfte zu den verschiedenen Truppengattungen, ihren Stellungen, Waffen und Mengen an Munition. Außerdem interessierte er sich dafür, ob bereits Kraftfahrzeuge für Wehrmachtzwecke beschlagnahmt wurden. Schmetz fungierte als Mittelsmann. Er teilte Grewen seinen Auftrag mit und erklärte ihm, dass Cardué als Major oder mit einem Major in Belgien in der „Batavia-Companie“ arbeitete. Seine Beobachtungen hielt Grewen auf einem Zettel fest, von dem Schmetz eine Abschrift verfasste und diese anschließend Cardué übermittelte.

Unterdessen nahm Schmetz eine Stelle als technischer Zeichner bei der Firma Neumann und Esser in Aachen an, die er bereits am selben Tag verlor, da er sich nicht in Deutschland aufhalten durfte. Ihm wurde mitgeteilt, dass er das Land binnen vier Tagen zu verlassen hätte. Dieser Zwischenfall hinderte Schmetz allerdings nicht an weiteren Treffen mit Grewen, bei denen Schmetz ihm neue Aufträge erteilte. Zeitgleich stand er in regem Austausch mit Cardué, dessen Interesse für die Westbefestigungen stetig wuchs, da er von Grewens Tätigkeit beim Bau der Westwallanlagen erfahren hatte.

Ab diesem Zeitpunkt versuchte Schmetz, sämtliche Fakten zu den Westbefestigungen zusammenzutragen. Sein Plan, die Bauart und die Standorte der deutschen Bunker in Erfahrung zu bringen, erwies sich jedoch als komplizierter als zunächst gedacht. Grewen war im Zuge seiner Beschäftigung auf dem Bau dieser Strukturen über Spionageabwehr belehrt und zur Geheimhaltung verpflichtet worden. Er weigerte sich daher, Schmetz’ Anweisungen zu befolgen. Er lehnte sowohl einen Spaziergang mit seinen ehemaligen Kollegen zur Lokalisierung der Bunker wie auch die Herausgabe seines Westwallarbeiterausweises ab. Auch wiederholtes Nachfragen konnte Grewen nicht dazu bewegen, Schmetz diesen Ausweis zu überlassen. Bei einem weiteren Treffen erklärte Schmetz, dass er aufgrund seiner entzogenen Aufenthaltsgenehmigung für Deutschland nicht mehr in der Lage sei, Juden auf unerlaubtem Wege nach Belgien zu bringen. Er pries Grewen diese Aufgabe als sehr lukrativ an und war überzeugt, dass dieser für den Auftrag geeignet sei. Die beiden vereinbarten ein Treffen in Hergenrath, zu dem es aber nie kommen sollte, da Grewen am 28. August 1939 am Wohnort seiner Eltern in Mülheim an der Ruhr festgenommen wurde.

Am 12. Oktober 1939 traf Schmetz an der deutsch-belgischen Grenze einen Bekannten, einen gewissen Cormann (Vorname unbekannt). Bei sich trug Schmetz einen großen Notizblock, in dem Skizzen des Grenzgebietes abgebildet waren. Schmetz erklärte Cormann, dass er mit Judenschmuggel nicht mehr viel Geld verdienen könne, aber dass es eine viel lukrativere Aufgabe gebe. Cormann sollte gegen Bezahlung die Zahl und die genaue Lage der deutschen Bunker, ihre Besatzung und die sonstigen Truppen im Grenzgebiet in Erfahrung bringen und diese Informationen der belgischen Sûreté übermitteln.

Mitte Oktober schließlich wurde Hermann Schmetz in einen Hinterhalt gelockt. Er erhielt einen Brief von der Firma Englebert, die ihm angeblich eine Stelle in Aachen anbot. Als Schmetz am 20. Oktober 1939 erneut ohne Erlaubnis das Reichsgebiet betrat, wurde er im Aachener Bahnhof festgenommen und ins Polizeigefängnis gebracht. Dort traf er den ebenfalls inhaftierten Kaufmann Wilhelm Erken, dem er von seiner Zusammenarbeit mit Cardué und Grewen erzählte. Er gab Erken den Auftrag, Cardué fünf Namen von für Deutschland arbeitenden Personen mitzuteilen, unter denen sich auch Cormann befand. Außerdem händigte er ihm einen Brief für Cardué aus, in dem er um Hilfe bat. Doch diesen ließ Erken der Gefängnisverwaltung zukommen. Während seines Verhörs gab Schmetz widerwillig die meisten Tatsachen zu, behauptete aber bis zum Ende, die Zusammenhänge der Aufträge nicht gekannt zu haben und dass seine vorherigen, zu diesem Thema abgelegten Geständnisse unter Druck entstanden seien. Am 14. September 1940 wurde er ins Gefängnis Moabit in Berlin verlegt.

Die Anklage am Volksgerichtshof warf Schmetz vor, für einen ausländischen Nachrichtendienst tätig gewesen zu sein, um Informationen zur Mobilmachung und Verteidigungsstrategie Deutschlands zu beschaffen. Diese Mobilmachungsmaßnahmen stellten ein Staatsgeheimnis dar, das Schmetz durch die Preisgabe einzelner Information wie beispielsweise der Mitteilungen zu den Kraftfahrzeugen verletzt habe. Außerdem habe er durch die Nennung der fünf Namen ein weiteres Staatsgeheimnis preisgegeben, da Cormann und eine weitere Person auf dem Gebiet des Polizei- und Nachrichtendienstes für Deutschland tätig gewesen waren. Hinzu kam der Vorwurf der Pflege landesverräterischer Beziehungen und der landesverräterischen Verabredung und Ausspähung. All diese Tatbestände führten dazu, dass sein Handeln als schwerste Straftat angesehen wurde. Schmetz unterhielt in den Augen des Gerichts besonders enge Verbindungen zum belgischen Nachrichtendienst, setzte sich sehr intensiv für die Aufträge ein und beging noch aus dem Gefängnis heraus Landesverrat.

Am 11. Oktober 1940 verurteilte der Volksgerichtshof Hermann Schmetz zum Tode. Da er durch die Annexion der Gebiete von Eupen, Malmedy und Moresnet möglicherweise die deutsche Staatsangehörigkeit erlangen würde, erkannte der Senat ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit ab.

Am 18. Dezember 1940 wurde Hermann Schmetz um 6 Uhr im Gefängnis Plötzensee in Berlin enthauptet. Ein großes rotes Plakat am Hergenrather Gemeindehaus verkündete seine Hinrichtung und bezeichnete ihn als „Volksschädling“. Auch in Aachen ließen sich entsprechende Plakate finden.

Schmetz wurde nach dem Krieg in Belgien offiziell als politischer Gefangener anerkannt und seine Familie konnte Entschädigungsgelder beantragen. Auf Anfrage der Gemeinde Kelmis koordinierte und leitete das Zentrum für Ostbelgische Geschichte (ZOG) ein entsprechendes Erinnerungsprojekt zur Aufarbeitung von Schicksalen von Kelmiser Bürgern in der NS-Zeit. In diesem Kontext initiierte Dr. Tobias Dewes vom ZOG mit Dr. Alain Brose vom César Franck Athenäum (CFA) ein Schülerprojekt, um die angehenden Abiturienten aktiv in die Forschungsarbeit, die Schicksale der Bevölkerung in der NS-Zeit und die Geschichte ihrer Region einzubinden. So wurde am 17. November 2023 für Hermann Schmetz an seinem letzten freiwilligen Wohnort und zugleich Elternhaus in der Aachener Straße 77-79 (früher 36-38) in Hergenrath ein Stolperstein verlegt. Zahlreiche näher und weiter entfernte und über mehrere Länder verteilte Angehörige von Hermann Schmetz wohnten der Verlegung bei.